Über die Fehmarnbeltregion

Lage und Geographie
Das Programmgebiet besteht aus der Region Sjælland (Seeland), dem Kreis Ostholstein, der Hansestadt Lübeck und dem Kreis Plön. Die Region Sjælland ist mit ihren 7273 km² annähernd 3 Mal so groß wie die drei deutschen Programmgebiete mit ihren insgesamt 2689 km². Die geographische Lage ist durch ihr Entlangführen an der Verkehrsachse zwischen Hamburg und Kopenhagen/Malmö gekennzeichnet. Die Reisezeit zur jeweils anderen Metropole beträgt etwa 2 Stunden. Ein weiteres generelles Merkmal der Region ist ihr maritimes Gepräge – was hier als ein genereller Ausdruck für eine exponierte Ostseelage, die vielen naturschönen Küstenlinien und Häfen sowie klarerweise auch die Fährverbindungen zwischen Deutschland und Dänemark zu verstehen ist. Erwähnenswert ist auch die geschichtliche und maritimlogistische Verbindung der Region mit den übrigen Ostseeanrainergebieten Schwedens, des Baltikums, Russlands und Finnlands. Zeichnet man die Ringe um das geographische Zentrum noch weiter, so offenbart sich auch die Verbindung der Region zu den globalen Märkten. Ostsee und Fehmarnbelt bilden somit seit jeher das Bindeglied, gleichzeitig aber auch die Barriere zwischen den Regionen.

Bevölkerungsentwicklung
Es leben insgesamt 805.954 Personen in der Region Seeland und 553.530 Personen in der Hansestadt Lübeck sowie in Ostholstein und Plön. So gesehen, ist die Bevölkerungsdichte auf der deutschen Seite insgesamt etwas höher. Der südliche sowie einige westliche Teil(e) der Region Seeland sind besonders dünn besiedelt. Die Bevölkerungsentwicklung stagniert seit Jahren und ist in einigen besonderen Gebieten rückläufig. Die Prognosen bis 2020 ändern an diesem Trend nichts.
Lt. den Prognosen wird sich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung spürbar ändern. Heute sind ca. 17 % der Bevölkerung in der Region Süddänemark über 65 Jahre alt. In den deutschen Teilen des Programmgebietes sind heute ca. 20 % 65 Jahre oder älter. Für die dänischen wie auch die deutschen Gebiete sieht die prognostizierte Fortschreibung hier einen Anstieg um 5 Prozentpunkte vor. Das heißt, dass fast jeder vierte Bürger im Programmgebiet im Jahr 2020 über 65 Jahre alt sein wird.

Wirtschaftsstruktur
Handel und Dienstleistung sind insgesamt der absolut größte Wirtschaftsbereich in beiden Ländern und somit auch in den Programmgebieten, wo das Dienstleistungsangebot ca. 70 % der gesamten ’Produktion’ ausmacht. In der Region Seeland folgen auf den Plätzen dann Industrie und verarbeitende Gewerbe, wobei dieser Anteil mit 25 % sogar leicht über dem Landesdurchschnitt liegt. Agrarwirtschaft und Rohstoffgewinnung machen, wie im übrigen Land auch, die verbleibenden 5 % aus.
Auf der deutschen Seite des Belts sind die gleichen Tendenzen feststellbar, wenngleich besonders Industrie und verarbeitende Gewerbe mit einem Anteil von 20 % gemessen am deutschen Gesamtdurchschnitt unterrepräsentiert sind.

Innovation, Forschung und Entwicklung
Bezüglich der Zugänglichkeit zu neuem Wissen und neuer Technologie im Programmgebiet sind die Universität Lübeck und das Roskilde Universitetscenter – das durch die Schaffung der Region Seeland ’südlicher’ ausgerichtet worden ist – die wichtigsten Wissenszentren.
Daraus ableitend liegt die Ausbreitung wissensbasierter Hightechgewerbezweige beispielsweise in der Region Seeland über dem dänischen Landesdurchschnitt. Auch wenn es zwischen den Branchen gewisse Unterschiede gibt, so verhält es sich doch umgekehrt bei der Beschäftigung in den Low-tech-Gewerben.

Arbeitsmarkt und Beschäftigung
Die Zusammensetzung des Arbeitsmarktes in der Region Seeland unterscheidet sich nicht wesentlich vom dänischen Arbeitsmarkt insgesamt. Auch der Arbeitsmarkt im deutschen Teil der INTERREG-Region ähnelt in den meisten Bereichen dem im übrigen Schleswig-Holstein.
Derzeit ist der dänische Arbeitsmarkt durch eine sehr hohe Beschäftigungsquote und entsprechend niedriger Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Das gilt auch für die Region Seeland. Besonders in der ehemaligen Amtskommune Roskilde, sprich: dem nordöstlichen Teil der Region, ist die Arbeitslosigkeit momentan sehr gering. Im Rest der Region entspricht sie mit so ziemlich dem Landesdurchschnitt.
In Deutschland hingegen liegt die Arbeitslosigkeit über dem EU-Durchschnitt. Bei der Beschäftigung gibt es sehr große regionale Unterschiede im deutschen Teil der INTERREG-Region, wobei insbesondere Lübeck mit einer sehr hohen Arbeitslosenquote negativ zu Buche schlägt. Generell ist die Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein etwas niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Tourismus
Der Tourismus spielt als Gewerbe für Teile der Region eine sehr wichtige Rolle. Dies ist besonders im südlichen Teil der Region Seeland und in Ostholstein der Fall. Beschäftigung und Umsätze im Tourismusgewerbe haben in den vergangenen Jahren in der Region Zuwächse verzeichnet.
Zu den wichtigsten ’Vermögenswerten’ im Tourismus der Region zählen eine lange Küstenlinie, Natur- und Landschaftssehenswürdigkeiten sowie die relativ kurzen Entfernungen zu den jeweiligen Metropolen Hamburg und Kopenhagen. Auf der dänischen Seite des Fehmarnbelts konzentriert sich der Tourismus hauptsächlich entlang der Küsten, während er im deutschen Teil der Region durch Ferienorte und -anlagen auch im Binnenland sowie Städtetourismus und Kuraufenthalte gekennzeichnet ist. Wie im übrigen Dänemark und Deutschland auch, hat das Tourismusgewerbe ein sehr saisonales Gepräge.

Infrastruktur
Die Infrastruktur der Region ist stark durch die Achse Hamburg-Kopenhagen beeinflusst und 'an ihr hängend'. Das Straßen- und Schienennetz wird somit durch die Verkehrshauptschlagadern zwischen den beiden Metropolen beherrscht.
Das Straßennetz im dänischen Teil der Region ist getragen von den Autobahnen E47/55 in Nord-Süd-Richtung und der E20 in Ost-West-Richtung. Die beiden Autobahnen fließen bei Køge, ca. 40 km südlich von Kopenhagen, zusammen. Auf deutscher Seite verbindet die A1 Heiligenhafen (unweit des Fährhafens Puttgarden) mit Lübeck und im weiteren Verlauf mit Hamburg.
Darüber hinaus ist der 18 km breite Fehmarnbelt für die Infrastruktur der Region von Bedeutung. Die deutsche und dänische Seite sind durch die Fährfahrtroute zwischen Puttgarden und Rødbyhavn miteinander verbunden. Lt. Angaben des Obersten Dänischen Straßenverkehrsamtes (Vejdirektoratet) machten im 24-Stunden-Mittel ca. 5.820 Fahrzeuge im Jahr 2005 von dieser Fährverbindung Gebrauch.
Der Beschluss zum Bau einer festen Fehmarnbeltquerung ist inzwischen getroffen worden und wird der Region maßgeblich einen neuen Charakter geben. Einerseits verspricht die Region sich hiervon erhebliche Wachstumschancen, andererseits werden auch die Risiken und Anforderungen gesehen, die damit verbunden sind. Die unterschiedlichen Erwartungen werden in der Region von einer aktiven Politik begleitet.

Umwelt
Die Region weist einen relativ hohen Anteil von Agrarwirtschaft auf und ist durch viele Naturgebiete geprägt. Die wesentlichsten urbanen Konzentrationen sind Lübeck (HL, 212.000 Einwohner), Roskilde (55.000), Næstved (49.000), Slagelse (37.000), Holbæk (36.000), Ringsted (31.000) und Nykøbing (25.000).
Außerhalb der urbanen Bereiche ist die Natur durch Feldfruchtanbau und Forstwirtschaft geprägt. So ist beispielsweise Ostholstein das Regionsgebiet mit der höchsten landwirtschaftlichen Produktionsintensität. Allerdings ist die Tieraufzucht in der Fehmarnbeltregion relativ niedrig im Vergleich zu anderen ähnlichen Gebieten.
In puncto Umwelt und Umgebung ist die Region bekanntermaßen auch durch ihre signifikante Ostseelage – Förden, Belte aber auch Seen und andere Gewässer – gekennzeichnet. Zusammen mit der übrigen Natur bergen diese natürlichen Gebiete mit ihrer reichhaltigen Flora und Fauna Chancen und Möglichkeiten, aber auch Pflichten und Risiken. In den vergangenen Jahren sind mehrere dieser Naturgebiete folgerichtig auch als besonders schützenswert ausgewiesen worden.