INTERREG in der Fehmarnbeltregion

Die Verbindung über den Fehmarnbelt, auch Vogelfluglinie genannt, war seit langem ein wiederkehrender Berührungspunkt der dänisch-deutschen Zusammenarbeit. Schon 1910 wurde in Lübeck ein dänisch-deutsches Komitee für die Gründung einer Eisenbahnverbindung von Kopenhagen über Fehmarn nach Hamburg gegründet. Mit der Eröffnung der Storstrømbrücke im Jahre 1939 wurde eine Fährverbindung zwischen den Inseln Lolland und Fehmarn wieder aktuell und diesmal gelang es dem dänisch-deutschen Komitee, Anklang zu finden.
Der Krieg stand jedoch vor der Tür und als Dänemark im Jahr im April 1940 von deutschen Truppen besetzt wurde, verabschiedete man in Übereinstimmung mit der deutschen Wehrmacht ein Gesetz über eine feste Eisenbahnverbindung nach Rødby. Die Bauarbeiten begannen, wurden aber bei Kriegsende wieder abgebrochen, weil nicht länger ein unmittelbar politisches und wirtschaftliches Interesse an einer solchen Verbindung bestand.
Gegen Ende der 40er Jahre entstand erneut eine Debatte über die Eisenbahnverbindung. Anlass war die Planung eines europäischen Autobahnnetzes mit der Europastraße 4 von Lissabon in Südeuropa über Hamburg, Fehmarn, Kopenhagen bis nach Helsinki im Norden.
Im Jahre 1958 schlossen die Dänischen Staatsbahnen und die Deutsche Bundesbahn eine Vereinbarung über die Ausführung der Pläne von 1948 über eine regelmäßige Fähr- und Autoverbindung zwischen Fehmarn und Rødby und am 14. Mai 1963 konnte diese Verbindung eingeweiht werden.

Bis zum Jahre 1977 bestanden zwischen dem damaligen Storstrøms Amt (2007 aufgegangen in die neue Region Sjælland) und dem Kreis Ostholstein nur freundschaftliche Beziehungen. Im Jahr 1977 führten beide Kreise dann eine gemeinsame Deutsch-Dänische Woche mit rund 110 Veranstaltungen und ca. 100.000 Teilnehmern durch. Die Durchführung dieser Deutsch-Dänischen Woche war nicht nur Auslöser für eine Vielzahl neuer grenzüberschreitender Städte- und Gemeindepartnerschaften, sondern auch für eine förmlich vereinbarte Partnerschaft zwischen den beiden Kreisen. Ebenso wie bei anderen deutsch-dänischen Partnerschaften waren auch hier zunächst kulturelle Beziehungen und der Jugendaustausch die tragenden Säulen.

Ausgangsbasis einer intensivierten Zusammenarbeit zwischen Storstrøms Amt und dem Kreis Ostholstein im Jahre 1989 war die Befürchtung beider Kreise, dass durch den vom dänischen Folketing beschlossenen Bau der innerdänischen festen Querung über den Großen Belt die Gefahr bestehen könnte, dass die internationalen Verkehrsströme zwischen Skandinavien und Zentraleuropa über Jütland umgelenkt und die Vogelfluglinie als Fährverbindung ihre Bedeutung als wirtschaftliche Lebensader für den hiesigen Raum verlieren könnte. Diese Situation veranlasste die beiden Kreise, am 16.03.1989 in einer gemeinsamen Resolution einen Ausbau und eine Stärkung der Vogelfluglinie zu fordern.

Zur Realisierung dieser Zielsetzung gründeten die beiden Kreise den Arbeitskreis: "Deutsch-Dänische Region Vogelfluglinie", auch der so genannte "Deutsch-Dänische Ausschuss" genannt. Der Ausschuss bildete den Kern in der dänisch-deutschen Partnerschaft.

Mit Entscheidung vom 16.12.1991 bewilligte die EU-Kommission den beiden Partnern, zu dessen Fördergebiet nunmehr auch die kreisfreie Hansestadt Lübeck gehörte, für die grenzübergreifende Zusammenarbeit aus Mitteln der Gemeinschaftsinitiative INTERREG I eine Zuweisung in Höhe von 0,5 Mio. EURO. Mit dieser finanziellen Unterstützung wurden neben der sozio-ökonomischen Analyse weitere 7 Projekte sowie die Etablierung des INTERREG-Sekretariates gefördert.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit konnte 1995 dank der Förderung aus INTERREG II A fortgesetzt werden. Somit bot sich für die Region die Chance, an die begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit anzuknüpfen. Der Region standen insgesamt 5,2 Mio. Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe konnten 27 grenzüberschreitende Projekte durchgeführt werden. Der Ausbau der Zusammenarbeit konnte unter INTERREG II um einen wesentlich größeren Kreis an Akteuren ausgeweitet werden, deren Arbeit dadurch zum Teil fest etabliert wurde.

Unter INTERREG III A konnten weitere neue und wichtige Akteure für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gewonnen und die Arbeit auf neue Kooperationsfelder ausgedehnt werden. Mit einem Fördervolumen von 9,6 Mio. Euro konnten bis jetzt ca. 30 Projekte gefördert werden, die teilweise ein größeres Volumen aufwiesen als unter INTERREG II. Neue Impulse wurden insbesondere in den Bereichen Tourismus und allgemeine grenzüberschreitende Strukturen gesetzt sowie im Umweltbereich. Wichtig ist auch, dass sich die Qualität der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sehr verbessern konnte und INTERREG sich zu einem sehr wichtigen Instrument in der Regionalentwicklung etabliert hat und zahlreiche Projekte entstanden sind, die ohne INTERREG nicht hätten realisiert werden können.

Aufbauend auf den Erfahrungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Fehmarnbeltregion sichert das neue Programm INTERREG IV A die Fortführung und vor allem Weiterentwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die bisherigen erfolgreichen Kooperationsansätze können ausgebaut werden und neue Kooperationen initiiert werden. Durch die neue Gebietskulisse aufgrund der Erweiterung des dänischen Fördergebietes im Zuge der Verwaltungsreform und des deutschen Fördergebietes aufgrund des Hinzukommens des Kreises Plöns, bekommt die Zusammenarbeit neue Impulse. Dies wird in der Fehmarnbeltregion als Chance gesehen, die vorhandenen Barrieren abzubrechen.